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Friede sei Ihr erst Geläut
Lang ist es her, daß zu früheren Zeiten jeder Gymnasiast die Verse frei hersagen konnte, was die Schulpolitik heutzutage nicht mehr fordert, da es altmodischer Krempel
ist: “ Festgemauert in der Erden, steht die Form aus Lehm gebrannt. Heute muß die Glocke werden, Frisch Gesellen, seid zur Hand. Von der Stirne heiß, rinnen muß der Schweiß. Soll das Werk den Meister
loben, doch der Segen kommt von oben. “ So begann Schillers Lied von der Glocke. Am Bild des Glockengusses entfaltet sich im Gedicht die Allegorie des Lebens, im kleinen wie im großen für das
menschliche Miteinander. Der weithin vernehmbare Klang einer Glocke, war schon immer Zeichen von Leben im Einklang einer Gemeinschaft. Kein Geläute zu besitzen, für eine Gemeinde geradezu undenkbar. Glocken sind
heute noch ein Identifikationsmerkmal der bürgerlichen Gesellschaft. Vom kleinen Turm der alten Dorfkapelle läutet daher mittags das kleine Glöcklein zum Angelus oder Vater Unser gegen den Verkehrslärm
moderner Automobile an, wenn auch nur elektrisch, statt wie früher, per Seilzug mit der Muskelkraft des Pfarrers. Als Glocken in Kriegszeiten leider “traditionell” zu Kanonen umgegossen
wurden, entstanden sie im Frieden immer wieder neu aus denselben, tot bringenden Geschossen. Von den Gemeinden damals finanziert, als Zeichen der Hoffnung auf eine friedliche Zukunft, sind
diese alten Glocken heutzutage die eigentlichen elementaren Schwerter der Erinnerung, die als klangliche Pflugscharen auch für die Zukunft zum Frieden mahnen. Das war nach dem zweiten Weltkrieg so, als auch nach
dem ersten, wo die größte, freischwingende Glocke der Welt - de dekke Petter - im Kölner Dom mit einem Gewicht von 24 Tonnen ihren Dienst im Jahre 1924 im Südturm aufnahm. Wie durch ein Wunder blieb im zweiten
Weltkrieg, wegen den Bemühungen zum Erhalt dieser großen Glocke, auch das restliche Geläut des Kölner Domes, mit über 500 Jahre alten Glocken, unversehrt.
Manche Person zeigte sich gerührt, als vor ein
paar Jahren in Erfurt die Maria Gloriosa aus der Reparatur zurückgebracht und wieder an ihren angestammten Platz im Turm d es Domes eingebaut wurde. Andere waren wenigstens beeindruckt beim Anblick dieser
alten Glocke aus dem Jahr 1437, selbst sogar die Personen, die sonst keine Nähe zur Kirche haben. Berühmt wurde, neben anderen Glocken, auch die Freiheitsglocke in Berlin, eine Nachbildung der
amerikanischen Freiheitsglocke. In der St. Moritz Kirche zu Coburg, läutete über Jahrzehnte abends deren größte Glocke - die Mauritiusglocke - als Mahnung zum Gebet für die friedliche deutsche Einheit,
bis das im Jahre 1989 in Berlin die Mauer fiel und die Vereinigung Deutschlands tatsächlich friedlich stattfand. Alte Glocken sind deshalb nicht nur ein Mahnmal im eigenen Kirchturm für Auschwitz,
Dachau, durch die Russen nach Sibirien verschleppte Polen oder den deutsch-französischen Stellungskrieg, sondern auch für Wirren unserer jüngeren Zeit wie: Vietnam, Falklandkrieg , die vielen Toten an der
deutsch-deutschen Grenze bis hin zu denen durch die Bomben und den Terror der letzten Jahre. In Erinnerung an diese vielen Opfer der Vergangenheit und Gegenwart, dürfen Glocken jetzt und in Zukunft niemals
schweigen.
Die Weihe einer neuen Glocke, nachdem der Glockengießers diese geschaffen hat, ist wegen diesem historischen Mythos bis
heute ein großes Fest geblieben. Der Einzug und das erstmalige Läuten neuer Glocken wird zu einem freudigem Ereigniss, daß selbst in den Medien einschlägige Beachtung findet, wie im Jahre 2003, als die 7 neuen
Glocken
Jesaja - Johannes - Jeremia - Josuah - David - Philippus - Hannah
in der Dresdner Frauenkirche breite Anteilnahme hervorriefen. Der Transport, der Einbau, die Reparatur und Pflege von Glocken: Eine Leistung, die vom
Kirchenglockentechniker, wie ich es bin, erbracht wird. Friede sei Ihr erst Geläut: Besonders zu Weihnachten und Silvester künden Glocken von diesem Friedenswunsch. Somit schließe ich mich dieser Botschaft der
erhabenen, erzenen Rufer an. In Zeiten, wo christliche Gemeinden in der Türkei als Staatsfeinde betrachtet, in den USA und anderen Staaten Menschen - vor allem im Irak auch Jugendliche - zum Tode verurteilt und
hingerichtet werden, oder wo bei uns in Deutschland das Wort Nächstenliebe - wegen zunehmendem Drogenkonsum der Jugend und Egodenken der Erwachsenen - zum Fremdwort wird und es darum immer öfter aus der
Nachbarwohnung nach einem verwesenden Menschen riecht, ist der Ruf nach Frieden, Dialog und Diskussion wieder zu einem Grundbedürfnis, der nach dem Sinn des Lebens sich fragenden Seele, geworden.
“ Ich hab Fleisch und Brot, leide aber doch Hungersnot”.
Dieser Satz drückt den Konsumschaden aus, den Politik und Kirche an jungen Leuten begangen hat, die heute danach wiederum ihre Kinder erziehen. Ohne Glauben lebt es sich
genauso gut, weil alles da ist. Warum also mit der Familie einen Gottesdienst besuchen ? Gewalt und Mord an unseren Schulen sind da nur die Anfänge von etwas, daß uns in Zukunft für Deutschland erwartet. Kurz
gesagt, erleben wir heute den beginnenden Mord an den morgigen sozialen Strukturen. Es liegt aber wiederum an jedem Einzelnen von uns, ob sich das fortsetzt oder aber wir als Christen wirklich durch Glauben
Leben einen neuen Anfang setzen: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst. Nur wenn wir dem nächsten helfen, sich selbst lieben zu lernen, der sich innerlich aufgegeben hat, wird es in Zukunft wieder eine bessere Welt
geben. Denn die Sache Jesu braucht begeisterte.
Bernd Ludwig Müller-Lönnendung.
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