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Rückblickend auf diese “gute,alte Zeit”, mit all ihren Beschränkungen, suggeriert der Klang der Glocken heute den Raum traditioneller Gemächlichkeit und nostalgischer Verwurzelung. Gläubige Christen vernehmen dagegen im Glockengeläut noch Gottes Stimme. Nach heutiger theologischer Sichtweise steht der Rufgedanke der Glocken im Mittelpunkt: Die sich bei Ihren Klängen sich versammelnde Gemeinde möge ein Herz und eine Seele sein. |
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Ehemalige Zisterzienserabtei in Bebenhausen, heute evangelische Kirche: Jugendliche läuten den Sonntag ein |
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Bereits in der Frühzeit des Christentums wurde der Glockenschall als akustisches Symbol für verkündigung der christlichen Botschaft verstanden. Koptische Mönche in Ägypten haben die Glocke zuerst als Ruferin zum Gebet genutzt. Im 5. Jahrhundert nach Christus ist die Glocke dann von Kleinasien über den Mittelmeerraum nach Südeuropa vorgedrungen und hat in den meisten Klostergemeinschaften Einzug gehalten. Papst Sabinianus ( 604-606 ) Nachfolger von Papst Gregor dem Großen, ordnete an, auch außerhalb von Klostermauern zu den sieben bei den Mönchen üblichen Gebetszeiten zu läuten. Dabei waren diese Glocken aber kein Ohrenschmaus, meist noch aus Blech geschmiedet. Die technische Entwicklung der Glocke erkläre ich im Bereich GLOCKENKUNDE. Seid der Christianisierung durch irische und schottische Wandermönche ( wie Kolumban, Gallus, Bonifatius ) haben sich die Glocken bei uns in Mitteleuropa in weiten Teilen als wichtiges Instrument der Komunikation entwickelt. Karl der Große sorgte für den Siegeszug der Glocken im heiligen römischen Reich, für das der Wiener Historiker Friedrich Heer den Begriff Glockeneuropa geprägt hat. Die Glockomanie der Bevölkerung war so groß, daß Glocken nicht nur zu kirchlichen sondern auch zu weltlichen Ereignissen leuteten. Davon zeugen noch heute viel Rathäuser, deren Giebel ein Türmchen ziert, in der eine Uhr und ein Rathausglöckchen hängt. Besonders in Notsituationen, wenn eine Gruppe von Räubern meinte, sie müßten Hannibal spielen und eine Stadt ausplündern, wurden sie einer Schutzfunktion in einer ganz praktischen Art und Weise gerecht: Die stättische Verteildigung zusammen zu trommeln und gleichzeitig das Signal zu geben, die Stadttore zu verammeln. Aber auch bei Nebel in Küstenregionen, waren sie Leitfaden für Wanderer und Schiffe. Diese Aufgaben beschreiben viele Inschriften, die diese sakralen Klanginstrumente zieren wie: “Laudo deo verum-plebem voco-congrego clerum-defunctus ploro-pestem fugo-festa decoro” . Eine solche inschfrift passt natürlich nur auf eine große Glocke. Die Kurzfassung davon wäre: “Vivos vovo-mortuos plangere-fulgura frangere” , für eine kleine Glocke. Denn neben den Bet, Tauf und Totenglocken läuteten im erweiterten Aufgabenbereich auch die Sturmglocken ( Sturmius - St. Florian ) um vor Unwwetter oder Feuersbrunst. Mißbrauch dieser Glocken wurde hart bestraft. Pestglocken warnten vor dem schwarzen Tot, andere Glocken kündigten das Öffnen der Stadttore an wie die abendliche Sperrstunde in den Gasthöfen oder den Sitzungsbeginn von Gerichten. Diese Kirchturmpolitik wurde sogar als Maß genommen für die Geltung von Gerichtsbarkeiten und den Umfang der Ausdehnung im Bezug auf Grundbesitz, wobei es hier immer wieder zu Reibereien kam, wenn Opa vom Amt nicht mehr so gut hören konnte. |
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Der Mißbrauch hatte in den Jahrhunderten nicht nur der Bedienung der Glocken Eunzug gehalten, sondern auch immer wieder zur Zerstörung dieser erzenernen Kollosse geführt, wenn ihr Material zu kanonen umgegossen und statt des wohlgefälligen Friedensrufes dann donnerndes Kanonenfeuer auf Europas Schlachtfeldern erschallte. Historiker wollen wissen, daß zum Beispiel in Frankreich nach der Revolution im Jahre 1789 rund 50 000 Tonnen metall aus den Glockentürmen geholt wurden, bereit zum Verkauf und Einschmelzung in einem Millitärofen. |
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Tradition verpflichtet: Im 20. Jahrhundert zerstörte der erste Weltkrieg allein in Deutschland ungefähr 70.000 Glocken, im zweiten Weltkrieg waren es 80.000 Glocken, wovon 16.000 nach Kriegsende noch auf dem Glockenfriedhof in Hamburg gefunden oder an anderen Sammelstellen bis 1952 zurückgeführt werden konnten. |
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Glocken als Kriegsheimkehrer |
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Die Zeiten, in denen die Glocken verstummten - zum Beispiel in den Religionskämpfen des dreißig jährigen Krieges, in den glaubensfeindlichen Unruhen der französichen Revolution oder während der Weltkriege des 20. Jahrhunderts - , waren stehts unheilvolle Zeiten, in denen die Menschen emotional entwurzelt waren. Ohne den magischen Glockenklang fehlte jedem die Geborgenheit in der Gemeinschaft der Gläubigen Christen, wodurch man Freiheit und Leben bedroht sah. Im kulturellen Gedächtniss der Menschen Europas, zeugt der Glcoenklang von einer Beziehung vom weltlichen und zum heiligem, die früher weit inniger war, als sie heute ist. Seit den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts mit der Expansion der Industrie - so Historiker Alain Corbin ist die Rolle der Glocke in der Gesellschaft eine andere geworden. neue Kommunikationswege durch Post und Presse, die steigende Anzahl von Uhren zum persöhnlichen Gebrauch, die Beschleuinigung des Lebensrhythmusses und die damit verbundene Häufigkeit der Ortswechsel führten dazu, dass die weltlichen Klangbotschaften zurückgingen und nun mehr Raum für Sakralität blieb: Der Verkündigung der Friedensbotschaft der christlichen Lehre. Es nagt aber auch an diesem letzten Mythos der Zahn der Zeit. In der veränderten Geräuschekulisse des Großstadtalltags, der von Verkehrsund Maschinenlärm geprägt ist, im veränderten Lebensrhythmus von Menschen, deren Alltag nicht mehr vom Verlauf der Sonne geregelt wird, sondern wo die Umgebung mit künstlichem Licht von der Nacht zum Tag gemacht wird, verlieren Raum und Zeit den alten Zauber. Im diesem veränderten, akustischen Umfeld haben es die Glocken zunehmend schwerer, trotz der Fülle und Feierlichkeit ihrer Klänge, ins Bewußtsein der Menschen vorzustoßen. In dem Maße, in dem das Geläut zu einem ärgerlichen und ruhestörenden Signal am Sonntag morgen reduziert wird, dessen Symbolik im täglichen Angelusläuten nicht mehr jedem geläufig ist, erscheint der Ruf vom Kirchturm manchem Menschen einfach nur noch als tönende Belästigung, die man per Gerichtsbeschluß abzustellen hat. |
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Doch zum Glück gibt es unter den modernen Menschen “einige “ Freaks, die auch heute noch in dem Glockengeläut “Vox Dei”, Gottes Stimme vernehmen. Der Erfurder Bischof Joachim Wanke sagte dazu aus aktuellem Anlass: “ Die Glocke wird auch weiterhin eng mit der Botschaft Jesu Christi verbunden bleiben und ihr Schicksaal teilen. Gelingt es uns, die Heilsbotschaft mit Leben zu füllen, ihre Vielfalt den Menschen nahe zu bringen, dann werden die Klänge, welche diese Botschaften verkünden, auch weiterhin die Seele der Menschen erreichen. dann werden Glocken auch im nächsten Jahrtausend läuten solange Menschen ihre Klänge zu deuten verstehen. “ |
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Fazit: Ist der Mensch noch in der Lage, sich zurückzuziehen und seine innere Stimme zu hören, so wird er auch noch empfänglich sein für die tägliche Botschaft des Engels, die ihm mit dem Läuten der Glocke Heil und Segen bringt. |
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